Charaktertypen und –typologien

Der Begriff Charakter wurde schon in der Ethik des Philosophen Aristoteles geprägt und wird im Allgemeinen mit der Persönlichkeit eines Individuums gleichgesetzt. In der Psychologie versteht man hierunter die persönlichen Kompetenzen eines Menschen, die als Basis für dessen moralisches Handeln dienen und gleichzeitig seine Persönlichkeit maßgeblich prägen. In der Gegenwart befassten sich verschiedene Wissenschaftler mit dem Charakter und definierten diesen als den Faktor, der über die Lebensführung entscheidet. Emotionale Intelligenz ist ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. So gelten Selbstkontrolle und Empathie als zentrale Pfeiler eines guten Charakters.

Die vier grundlegenden Charaktertypen

Für die meisten Menschen werden besondere Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale eines Individuums als dessen Charakter interpretiert, wobei auch das Temperament Einfluss hierauf hat. Obgleich jedes Individuum einen ganz eigenen Charakter an den Tag legt, unterscheidet man zwischen vier grundlegenden Charaktertypen. Zu nennen ist hier unter anderem der Sanguiniker, der sich durch Lebhaftigkeit und Heiterkeit auszeichnet. Im Gegensatz dazu neigt der Melancholiker eher zu Traurigkeit. Unausgeglichen, jähzornig und entschlossen präsentieren sich Choleriker. Ruhige Menschen, die eher zurückgezogen und introvertiert leben, können mitunter als Phlegmatiker bezeichnet werden.

Es gilt zu beachten, dass diese vier Charaktertypen kaum in ihrer Gänze in Erscheinung treten. So zeigt kein Individuum alle Facetten eines Charaktertypen und keinerlei Merkmale eines anderen Typen. Die Kategorisierung erfolgt daher anhand der dominierenden Persönlichkeitsmerkmale.

Die verschiedenen Charaktertypen in der Psychologie

Im Allgemeinen kommt der Begriff Charakter in der modernen Psychologie heutzutage eher seltener zum Einsatz und wurde durch die Begrifflichkeit Persönlichkeit abgelöst. Nichtsdestotrotz ist der Charakter nach wie vor Gegenstand der psychologischen Forschung und beschäftigt nicht nur all diejenigen, die Psychologie studieren. Auch in der psychologischen Praxis sind die sogenannten Charaktertypen nach wie vor von Relevanz.

  • narzisstischer Charakter
  • schizoider Charakter
  • depressiver Charakter
  • zwanghafter Charakter
  • hysterischer Charakter

4 Charaktertypen

In der Psychologie und Persönlichkeitsforschung sind verschiedene Charaktertypen bekannt, die sich durch besondere Eigenschaften auszeichnen. Ist eine bestimmte Charaktereigenschaft besonders ausgeprägt, kann eine Störung vorliegen, die das Verhalten und die gesamte Persönlichkeit des Betroffenen beeinflusst.

Narzisstischer Charakter

Von einem narzisstischen Charakter spricht man im Allgemeinen, wenn die betreffende Person eine stark gesteigerte Selbstliebe an den Tag legt. Wer eine massive Eitelkeit und Selbstverliebtheit an den Tag legt, geht mitunter in der Selbstbewunderung auf und erscheint seinen Mitmenschen äußerst arrogant, eitel und egoistisch.

Schizoider Charakter

Menschen, die sich abkapseln und Kontakte vermeiden, als Einzelgänger in Erscheinung treten und sehr in sich gekehrt sind, zeigen typische Eigenschaften eines schizoiden Charakters. Wer unter einer solchen Persönlichkeitsstörung leidet, hat oftmals eine Vorliebe für Phantasiereisen und kann seinen Emotionen mitunter nur begrenzt Ausdruck verleihen. Eine solche schizoide Persönlichkeitsstörung macht sich somit durch eine defizitäre Emotionalität und eine tiefe Kontaktstörung bemerkbar.

Depressiver Charakter

Der Begriff Depression ist den meisten Menschen durchaus bekannt. Dabei handelt es sich um eine ernstzunehmende psychische Störung, deren zentrales Merkmal eine massive Niedergeschlagenheit ist. Der depressive Charakter ist daher durch Minderwertigkeitskomplexe und eine hohe Passivität gekennzeichnet. Betroffene sind emotional oftmals stark von anderen Menschen abhängig und zeigen eine gewisse Autoaggression.

Hysterischer Charakter

Personen, die einen hysterischen Charakter haben, treten nicht selten mit einem hohen Geltungsbedürfnis in Erscheinung. Darüber hinaus kann ein sexualisiertes Verhalten oder auch Angst vor Sexualität wahrgenommen werden. Gängige Abwehrmechanismen sind Verleugnung und Verdrängung. Der hysterische Charakter verschließt somit vor Problemen die Augen und zeigt daher nicht selten Symptome einer Konversionsstörung.

Zwanghafter Charakter

Der zwanghafte Charaktertyp wird im Allgemeinen als sehr genau und eigensinnig beschrieben. Sparsamkeit sowie ein hohes Kontrollbedürfnis sind ebenfalls typisch für einen solchen Charakter. Affektisolierung, Rationalisierung und Reaktionsbildung werden als vorherrschende Abwehrmechanismen genannt.

Charaktertypen in der Psychologie

Die Psychologie greift immer wieder auf Charaktertypen zurück, um Persönlichkeiten einordnen zu können. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass jeder Charakter absolut individuell ist. Fließende Übergänge bei den einzelnen Charakteren sind daher die Regel, so dass wohl kein Mensch ausschließlich Verhaltensweisen und Persönlichkeitsstrukturen eines einzigen Charakters zeigt. Nichtsdestotrotz kann eine Zuordnung vorgenommen werden, indem analysiert wird, welcher Charaktertyp anhand der gezeigten Merkmale am ehesten auf die betreffende Person zutrifft. Sind einige Verhaltensweisen besonders stark ausgeprägt, so dass sich eine Beeinträchtigung ergibt, spricht man von einer Persönlichkeitsstörung, die dann auch einer professionellen Behandlung bedarf.

Die Differenzierung der Charaktertypen in der modernen Psychologie erfolgt auf Grundlage der dominierenden Verhaltensweisen und Reaktionen, die das Individuum auf Erlebtes zeigt. Ein narzisstischer Charakter zeigt sich anhand eines ausgeprägten Selbstwertgefühls und einem Hang zu Idealisierung und Verleugnung. Menschen mit einem eher depressiven Charakter werden als passiv und abhängig wahrgenommen. Darüber hinaus leiden diese Menschen unter Minderwertigkeitskomplexen und legen zum Teil eine gewisse Autoaggression an den Tag. Kennzeichnend für einen hysterischen Charakter sind unter anderem eine Neigung zu Verdrängung und der starke Wunsch, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein solches Geltungsbedürfnis kommt bei einem schizoiden Charakter nicht vor, denn Betroffene gehen eher auf Distanz und scheuen Nähe. Gleichzeitig rationalisieren und intellektualisieren sie Situationen stark. Der zwanghafte Charaktertyp legt großen Wert auf Kontrolle und Präzision und greift in Abwehrsituationen zumeist auf die Rationalisierung und Affektisolierung zurück.

In der Psychologie werden die fünf Charaktertypen äußerst kontrovers beschrieben. In der Realität sind diese kaum in ihrer Reinform anzutreffen. Menschen zeigen vielmehr Eigenschaften verschiedener Charaktertypen und präsentieren sich so als einzigartige Persönlichkeiten. Eine Charaktertypisierung kann daher nur anhand der vorherrschenden Eigenschaften vorgenommen werden. Sie können über ein Fernstudium Psychologie mehr Erfahren.

Psychologische Typen nach Carl Gustav Jung

In der Psychologie existiert der Begriff der psychologischen Typen, den der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung maßgeblich prägte. Die Typenlehre nach Jung unternimmt den Versuch, die Menschen zu klassifizieren. In seiner täglichen Berufstätigkeit glaubte er, dass seine Patienten aufgrund ihrer unterschiedlichen Verhaltensweisen unterschiedliche Therapien benötigten.

Carl Gustav Jung entwickelte so die beiden psychologischen Typen extravertiert und introvertiert. Diese Einstellungstypen befassen sich mit der Einstellung eines Menschen der Welt gegenüber. Darüber hinaus definierte er das Denken, Empfinden, Fühlen und Intuieren als Bewusstseinsfunktionen, so dass seiner Theorie zufolge acht psychologische Typen existieren. Durch Abwandlungen beziehungsweise Erweiterungen dieser Theorie kann man auf 16 Typen kommen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang unter anderem der Myers-Briggs-Typindikator, der vier Dimensionen mit jeweils zwei Optionen vorsieht, die jeweils frei miteinander kombiniert werden können. Dabei handelt es sich um:

  • Judging oder Perceiving
  • Intuition oder Sensing
  • Introversion oder Extraversion
  • Feeling oder Thinking

Anhand der zahlreichen Theorien und komplexen Differenzierungen zeigt sich, dass die Typenlehre innerhalb der Psychologie ein spannendes und vielschichtiges Gebiet ist und die psychologischen Typen gewissermaßen eine Wissenschaft für sich sind. Dabei stellt sich natürlich immer die Frage, ob so etwas Komplexes wie die individuelle Persönlichkeit überhaupt in ein solches Schema passt und sich klassifizieren lässt.

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