Fluide und kristalline Intelligenz

Während auch Laien etwas mit dem Begriff Intelligenz anfangen können, ist die fluide Intelligenz hauptsächlich in Fachkreisen bekannt. Maßgebend ist diesbezüglich das Zwei-Faktoren-Modell des britisch-US-amerikanischen Persönlichkeitspsychologen Raymond Bernard Cattell, der zu Beginn der 1970er-Jahre sein Konzept entwickelte. Demnach seien die kristalline und die fluide Intelligenz die beiden Faktoren zweiter Ordnung. Cattell befasste sich intensiv mit der Faktorenanalyse und hob sich mit seiner Theorie deutlich vom g-Faktor-Modell von Charles Spearman ab.

Was ist fluide Intelligenz beziehungsweise kristalline Intelligenz?

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was sich hinter der von Raymond Bernard Cattell definierten fluiden und kristallinen Intelligenz verbirgt. Dabei handelt es sich um zwei Faktoren, die untrennbar miteinander verbunden sind und in erster Linie das logische Denken beinhalten. Das fluide Denken umfasst gleichermaßen das deduktive und induktive Denken. Dieser Aspekt der Intelligenz ist daher im alltäglichen Leben sowie im Beruf von großer Bedeutung.

Im Laufe der Zeit wurden verschiedene wissenschaftliche Intelligenztests entwickelt, die einzig der Messung der fluiden Intelligenz dienen. Dabei handelt es sich unter anderem um den Raven Progressive Matrices, kurz RPM, und den Cattell Culture Fair IQ Test. Diese Testverfahren sollen eine Ermittlung der fluiden Fähigkeiten des Testkandidaten ermöglichen.

Fluide und kristalline Intelligenz im Vergleich

In Zusammenhang mit der Zweikomponententheorie von Raymond Bernard Cattell fallen immer wieder die Begriffe fluide und kristalline Intelligenz, die dabei zwar zusammengefasst werden, aber keineswegs als Synonyme füreinander zu verstehen sind.

Dieser Intelligenztheorie zufolge sei die fluide Intelligenz angeboren und genetisch bedingt. Die Problemlösungs-Fähigkeit ist ebenso wie das abstrakte Denken, die Mustererkennung, das Lernen und logische Schlussfolgern Gegenstand der fluiden Intelligenz. Im Gegensatz dazu basiert die kristalline Intelligenz auf Erfahrungen und Kenntnissen, die man im Laufe des bisherigen Lebens erworben hat. Neben den gesammelten Erfahrungswerten fließen demnach das Wissen und der Wortschatz in die kristalline Intelligenz ein.

Die Entwicklung der fluiden Intelligenz

Im Allgemeinen wird in der Psychologie davon ausgegangen, dass die fluide Intelligenz im jungen Erwachsenenalter ihren Höhepunkt erreicht und danach allmählich wieder nachlässt. Demnach hat man in dieser Lebensphase die maximale kognitive Leistungsfähigkeit erreicht, was von vielen Experten auf die sinkende Leistungsfähigkeit des Gehirns beziehungsweise die mit fortschreitendem Alter stattfindenden Veränderungen im Gehirn zurückgeführt wird. Bei der kristallinen Intelligenz verhält sich dies dahingegen vollkommen anders, weil diese auf erworbenem Wissen und gemachten Erfahrungen basiert und folglich im Alter immer weiter zunimmt.

Die fluide Intelligenz trainieren

In der Psychologie existiert die Annahme, die fluide und kristalline Intelligenz könnte durchaus trainiert werden. Anspruchsvolle Denkaufgaben können demnach das Arbeitsgedächtnis fördern, wodurch sich eine Verbesserung der fluiden Intelligenz einstellt. Darüber hinaus kann ein spezielles Denktraining dem induktiven Denken zugutekommen und somit ebenfalls positiven Einfluss auf die fluide Intelligenz haben.

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